4,5 Stunden Fahrt, 45 Minuten Pause: Ein echter Fahrtenschreiber würde unsere ETS2-Fahrten komplett verändern!
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Simulatoren-News -
August 2, 2026 at 2:00 PM -
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Der Euro Truck Simulator 2 hat sich in diesem Bereich erst kürzlich erheblich verändert. Mit Update 1.60 hat SCS Software das alte Ermüdungssystem in zwei separate Mechaniken aufgeteilt. Der Ruhezustand stellt in vereinfachter Form unseren Erholungsgrad dar: Bei längerer Aktivität nimmt er ab, es erscheinen Warnungen und bei Erschöpfung kann es zu Sekundenschlafereignissen kommen. Daneben gibt es eine Zwangspause. In ETS2 können wir bis zu zehn Stunden fahren, bevor das Spiel neun aufeinanderfolgende Ruhestunden erfordert. Zwei Stunden vorher erhalten wir eine Warnung. Beide Systeme können unabhängig voneinander konfiguriert oder deaktiviert werden.
Das ist mehr Simulation als zuvor. Doch von einem digitalen Tachographensystem ist es noch weit entfernt. Und das ist hier der neue Blickwinkel: Ein echtes Aufnahmegerät fragt nicht nur: „Wie lange können Sie noch fahren?“ Es dokumentiert was wir eigentlich während unseres Arbeitstages tun.
Zunächst müssen wir mit einem weit verbreiteten Missverständnis aufräumen. Ein Berufskraftfahrer ist in der EU grundsätzlich nicht auf nur 4,5 Stunden Fahrzeit pro Tag beschränkt. Gemäß der Verordnung (EG) Nr. 561/2006 ist die tägliche Lenkzeit normalerweise auf neun Stunden begrenzt. Sie kann zweimal pro Woche auf maximal zehn Stunden verlängert werden. Die 4,5 Stunden beziehen sich auf etwas anderes: Nach maximal 4,5 Stunden Fahrt muss ein Fahrer in der Regel mindestens eine Pause einlegen 45 Minuten, es sei denn, stattdessen beginnt eine Ruhezeit. Diese 45 Minuten dürfen unter den gesetzlichen Voraussetzungen in mindestens 15 Minuten und anschließend mindestens 30 Minuten aufgeteilt werden.
Und der Arbeitstag endet danach nicht automatisch. Nach der Qualifikationspause kann eine neue Fahrperiode beginnen. Die tägliche Ruhezeit ist ein weiteres separates Konzept: Sie beträgt normalerweise mindestens elf Stunden. Unter bestimmten Voraussetzungen ist eine verkürzte tägliche Ruhezeit von mindestens neun Stunden zulässig. Auch im EU-Recht gibt es wöchentliche und mehrwöchige Regelungen, doch allein der Tagesablauf reicht für unser Gedankenexperiment aus, um zu zeigen, wie viel komplexer die Realität ist.
Besonders wichtig ist die Unterscheidung Lenkzeit, Arbeitszeit, Pausen, Bereitschafts- und Ruhezeiten. Dies sind keine unterschiedlichen Namen für denselben Timer. Die Arbeitszeit kann sowohl das Fahren als auch das Be- und Entladen, Reinigen, technische Wartung und andere Arbeiten umfassen, die in direktem Zusammenhang mit dem Transportvorgang stehen. Eine Fahrpause hingegen kann in der Regel nicht zum Fahren oder anderen Arbeiten genutzt werden und dient der Erholung. Verfügbarkeit ist wieder eine andere Kategorie.
Und hier würde ein echter Fahrtenschreiber die ETS2 grundlegend verändern.
Die EU-Verordnung 165/2014 beschreibt einen digitalen Fahrtenschreiber als ein System, das unter anderem die zurückgelegte Strecke und Fahrzeuggeschwindigkeit, Zeit, Fahreridentität, Fahreraktivität sowie Ereignisse und Störungen aufzeichnet. Fahrer erfassen oder wählen Aktivitäten wie Fahren, andere Arbeiten, Verfügbarkeit sowie Pausen oder Ruhezeiten separat aus. Moderne intelligente Fahrtenschreiber fügen GNSS-Positionsinformationen hinzu. In der zweiten Generation werden zu Strafverfolgungszwecken auch Informationen wie Grenzübertritte und Be- oder Entladeereignisse erfasst.
Der vielleicht interessanteste Unterschied zur heutigen ETS2 ist jedoch ein kleines Stück Plastik: das Fahrerkarte.
Ein echter Fahrer steckt vor der Fahrt eine persönliche Mikrochipkarte in den digitalen Fahrtenschreiber. Die Karte identifiziert den Fahrer und speichert seine Aktivitätsdaten. Die Europäische Kommission gibt an, dass Fahreraktivitäten mindestens 56 Tage lang gespeichert werden können. Das Fahrzeug und der Fahrer sind also zwei unterschiedliche Schichten: Das Kontrollgerät ist im LKW installiert, während die Fahrerkarte dem Einzelnen gehört.
Das wäre in der ETS2 enorm interessant. Heute können wir unseren Volvo in Hamburg stehen lassen, die Werkstatt wechseln und fünf Minuten später in München einen Scania übernehmen. Mit einem wirklich fahrerbasierten System würde unsere bisherige Fahrzeit jedoch nicht plötzlich verschwinden. Wir würden den LKW wechseln – nicht den Fahrer.
,Und hier beginnt unser Gedankenexperiment. SCS Software hat nicht angekündigt ein solches System. Die offiziellen Informationen zum Update 1.60 erwähnen Ruhezustand und Pflichtpause, jedoch keinen funktionierenden digitalen Fahrtenschreiber, keine Fahrerkarte oder ein entsprechendes Aktivitätsaufzeichnungssystem. Selbst wenn detaillierte ETS2-Innenräume die Ausrüstung oder Armaturenbrettbereiche optisch nachbilden, die echten Lastwagen entsprechen, sollte dies nicht mit einer solchen Spielmechanik verwechselt werden.
Stellen Sie sich dennoch vor, wie es funktionieren könnte.
Es ist 06:00 Uhr in Hamburg. Wir steigen in unseren Truck und müssen zunächst unsere virtuelle Fahrerkarte einführen. Der Fahrtenschreiber meldet uns an. Um 06:05 Uhr verlassen wir den Hof mit einer Lieferung in Richtung Süddeutschland. Ab diesem Zeitpunkt gibt es keinen einfachen zehnstündigen Countdown zum Schlafen. Stattdessen verfolgt das System unsere simulierte Fahrzeit.
Eine knappe Lieferung wird plötzlich zu einer ganz anderen Herausforderung. Ein Stau außerhalb von Hannover wäre nicht nur deshalb ärgerlich, weil unsere ETA immer schlechter wird. Die verkehrsbedingte Standzeit wird weiterhin auf die Lenkzeit angerechnet. Das Bundesamt für Logistik und Mobilität weist ausdrücklich darauf hin, dass verkehrsbedingte Stopps an Ampeln, Bahnübergängen, Kreuzungen oder im Stau in die Lenkzeit eingerechnet werden.
Nach nicht mehr als 4,5 Stunden aufgezeichneter Fahrt würden wir normalerweise unsere 45-minütige Pause brauchen. Jetzt müssen wir planen. Können wir rechtzeitig einen geeigneten Rastplatz erreichen? Halten wir dort die vollen 45 Minuten an? Oder nehmen wir uns zuerst mindestens 15 Minuten und später noch einmal mindestens 30 Minuten?
Plötzlich hätte ein ETS2-Rastplatz einen ganz anderen Wert.
Heutzutage ist es oft in erster Linie eine Tankstelle, ein Schlafplatz oder eine Kulisse neben der Autobahn. Mit einem echten Fahrtenschreiber könnte es Teil unserer Strategie werden. Der Parkplatz fünf Kilometer vor Ihnen könnte wichtiger sein als die schnellste Route. Eine Fehlentscheidung könnte dazu führen, dass uns die zulässige Dauerfahrzeit ausgeht, bevor wir eine geeignete Haltestelle erreichen.
Aktivitäten abseits des reinen Fahrens würden das System noch interessanter machen. In einer vereinfachten Spielimplementierung könnte das Auftanken möglicherweise als andere Arbeit behandelt werden. Gleiches könnte für das Ankuppeln eines Anhängers oder bestimmte Be- und Entladetätigkeiten gelten. Eine bekannte Wartezeit könnte je nach den Umständen möglicherweise in eine andere Kategorie fallen. Auch Rangierfahrten und Werkstattbesuche würden neue Fragen aufwerfen.
Hierbei handelt es sich um mögliche Gameplay-Ideen, nicht um von SCS angekündigte Features. Die richtige rechtliche Einordnung in der Realität hängt auch von den konkreten Umständen ab. Genau aus diesem Grund müsste ein Spiel wahrscheinlich das System vereinfachen, anstatt jede mögliche Arbeitssituation genau zu reproduzieren.
Eine Fahrerkarte würde bei einer Kontrolle noch mehr an Bedeutung gewinnen.
Ein echter Fahrtenschreiber vergisst die Geschichte nach dem letzten Autobahnstopp nicht. Seitdem 31. Dezember 2024Gemäß Artikel 36 der Fahrtenschreibervorschriften müssen Fahrer auf Verlangen bei entsprechenden Straßenkontrollen Aufzeichnungen für den aktuellen Tag und den Tag vorlegen können vor 56 Tagen. Abhängig von der verwendeten Technologie können die relevanten Beweismittel Fahrerkarten, analoge Schaublätter, manuelle Aufzeichnungen, Ausdrucke oder andere verfügbare Daten sein. Die Europäische Kommission weist ausdrücklich darauf hin, dass sich die Kontrollen daher nicht auf die aktuelle Reise beschränken.
In Deutschland ist die Bundesamt für Logistik und Mobilitätist neben der Polizei und den Arbeitsschutzbehörden eine der Stellen, die für die Überwachung der Arbeitszeitregelungen der Fahrer bei Straßenkontrollen zuständig sind. Unternehmensinspektionen fallen hingegen in die Zuständigkeit der zuständigen regionalen Behörden. Inspektoren können Fahrtenschreiber- und Fahrerkartendaten analysieren, während Transportunternehmen außerdem verpflichtet sind, Aufzeichnungen aufzubewahren und für Inspektionen zur Verfügung zu stellen.
,Übertragen auf ETS2 könnte daraus eine völlig neue Art der Straßenkontrolle entstehen. Bei einer Polizeikontrolle würde nicht mehr nur gefragt, ob wir aktuell 92 statt 80 km/h fahren. Unsere virtuelle Fahrerkarte könnte theoretisch analysiert werden und einen Verstoß aus mehreren früheren Fahrten aufdecken. Haben wir die gestrige Pause zu spät begonnen? Wurde eine Aktivität falsch erfasst? Haben wir unsere verfügbare Fahrzeit immer wieder an ihre Grenzen gebracht? Auch das wäre nur eine hypothetische Spielimplementierung – aber plötzlich wäre unsere Fahrerhistorie tatsächlich von Bedeutung.
Auch das eigentliche Fahrtenschreibersystem entwickelt sich weiter. Neue relevante schwere Fahrzeuge in der EU werden bereits seit August 2023 mit dem Smart Tachograph Version 2 ausgestattet. Anschließend folgten Nachrüstfristen für Fahrzeuge, die im internationalen Verkehr eingesetzt werden; Seit August 2025 müssen relevante schwere Fahrzeuge, die international innerhalb der EU verkehren, grundsätzlich über die Version 2 verfügen. Seitdem 1. Juli 2026Die EU-Vorschriften zu Lenk- und Ruhezeiten und die entsprechenden Anforderungen an intelligente Fahrtenschreiber gelten auch für bestimmte leichte Nutzfahrzeuge über 2,5 Tonnen und bis zu 3,5 Tonnen, wenn sie im grenzüberschreitenden Verkehr oder in der Kabotage eingesetzt werden. Für unsere klassischen ETS2-Sattelzugmaschinen handelt es sich bei diesem letzten Punkt hauptsächlich um Hintergrundinformationen – er zeigt jedoch, wie aktuell und umfangreich das tatsächliche Durchsetzungssystem geworden ist.
Bleibt die entscheidende Frage: Würde dies ETS2 tatsächlich verbessern – oder würde der Euro Truck Simulator zum Euro Truck Bureaucracy Simulator?
Es gibt starke Argumente dafür. Wir müssten Reisen sorgfältiger planen. Rastplätze wären wichtig. Staus hätten echte Folgen. Eine besonders schnelle Lieferung am Ende des Tages wäre nicht mehr immer möglich. Flottenmanagement, Fahrer und Fahrzeug könnten enger vernetzt werden. Für Spieler, die bewusst auf maximalen Realismus Wert legen, wäre dies eine völlig neue Herausforderung.
Und Update 1.60 zeigt zumindest, dass SCS bereit ist, die Zeitplanung weiter in das eigentliche Gameplay zu verlagern. Früher war das Ermüdungssystem von ETS2 im Kern viel einfacher: Irgendwann wurden wir müde und schliefen dann für eine vordefinierte Zeitspanne. Heutzutage können Erholung und Zwangsunterbrechung getrennt betrachtet werden und wir können unseren Weckzeitpunkt sogar genauer wählen. Ein optionaler Fahrtenschreiber wäre konzeptionell der nächste große Schritt – Nicht weil SCS eines angekündigt hat, sondern weil die Systeme des Spiels mittlerweile viel mehr Raum für eine solche Idee bieten.
Aber die Argumente dagegen sind genauso stark. Die tatsächlichen Regeln sind kompliziert. Lenkzeit ist keine Arbeitszeit, Arbeitszeit ist keine Verfügbarkeit und eine 45-minütige Pause ist nicht automatisch eine tägliche Ruhezeit. Darüber hinaus gibt es unterschiedliche Betriebsarten, Ausnahmen und zusätzliche nationale und europäische Regelungen. Wer einfach nur abends eine Ladung von Hamburg nach München fahren möchte, könnte einen vollständig simulierten rechtlichen Rahmen eher frustrierend als frustrierend finden.
Und gerade Berufskraftfahrer könnten sagen: Ich beschäftige mich schon den ganzen Tag damit – warum sollte ich meine virtuelle Fahrerkarte auch abends verwalten wollen?
Das größte technische Problem liegt jedoch im Spiel selbst. ETS2 bildet Europa nicht im Maßstab 1:1 ab. Distanzen und Zeit werden stark komprimiert. Würde SCS einfach den echten 4,5-Stunden-Wert unverändert auf die beschleunigte Spielzeit anwenden, müssten wir in der realen Spielzeit möglicherweise sehr häufig anhalten. Wenn die Werte stattdessen entsprechend der Spielwelt skaliert würden, wäre die Mechanik einfacher zu spielen, wäre aber keine exakte Reproduktion des europäischen Fahrstundengesetzes mehr.
Vielleicht liegt genau darin die sinnvollste Lösung: ein optionaler Hardcore-Fahrtenschreibermodus.
,Spieler, die einfach nur fahren möchten, können den Ruhezustand und die Pflichtpause beibehalten. Wer mehr Simulation wünscht, kann seine virtuelle Fahrerkarte zu Beginn einer Schicht einstecken, verschiedene Aktivitätsmodi verwalten, seine 4,5-stündigen Fahrsperren planen und bei Inspektionen Konsequenzen riskieren. Die eigentlichen Regeln müssten klar und an der beschleunigten Welt des Spiels angepasste Stellen dargestellt werden – ihr Kern könnte jedoch erhalten bleiben.
Denn Update 1.60 macht ETS2 bereits realistischer. Ein echter Fahrtenschreiber würde jedoch etwas grundlegend anderes bewirken: Er würde die Frage verändern „Wann muss ich schlafen?“ hinein „Wie organisiere ich meinen gesamten Arbeitstag?“
Und das könnte unsere Reisen weitaus mehr verändern als ein weiterer LKW, ein weiterer DLC oder ein weiterer Rastplatz.
Würden Sie einen echten Fahrtenschreibermodus mit Fahrerkarte, 4,5-Stunden-Regel und Inspektionen ermöglichen – oder wäre das schon zu viel reales Arbeitsleben in Ihrem Simulator? Sollte SCS die realen Zeiten so genau wie möglich reproduzieren oder die Regeln an die beschleunigte Spielwelt von ETS2 anpassen? Und würden Sie die vollen 45 Minuten auf einmal nehmen – oder tatsächlich 15 plus 30 Minuten strategisch in Ihre Reise einplanen?
