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100 statt 80 km/h im Lkw: In ETS2 kostet es virtuelles Geld – in Deutschland 140 Euro und einen Punkt!

  • Simulatoren-News
  • August 2, 2026 at 8:00 PM
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Quote from Simulatoren-News

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In ETS2 drücken wir kurz das Gaspedal, der Blitzer blinkt und ein Geldbetrag verschwindet. Für einen echten Berufskraftfahrer kann genau derselbe Fehler deutlich schwerwiegender sein. Nehmen wir eine Situation, die wir alle aus dem Simulator kennen: Der Liefertermin wird knapp, die Autobahn ist frei und unser schwerer Sattelschlepper fährt mit 100 km/h durch Deutschland. Wer von uns ist nicht schon einmal mit Tempo 95 durch eine 80er-Zone gefahren, weil der nächste Abgabetermin plötzlich näher rückte?

Für diesen Vergleich gehen wir davon aus, dass 100 km/h die gesetzlich relevante Geschwindigkeit ist. Unterschiede zwischen der angezeigten und der tatsächlich gemessenen Geschwindigkeit sowie eventuelle Messtoleranzen werden bewusst außer Acht gelassen. Gemäß § 18 Abs. 5 StVO gilt für Kraftfahrzeuge mit einer zulässigen Gesamtmasse von mehr als 3,5 Tonnen, ausgenommen Personenkraftwagen, auf deutschen Autobahnen grundsätzlich eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h. Ein klassischer schwerer ETS2-Sattelzug gehört somit zu der für unser Beispiel relevanten Gruppe. Eine Fahrt mit 100 km/h bedeutet also, dass man 20 km/h über dem Grenzwert liegt.

Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass Lkw in Deutschland überall und unter allen Umständen immer nur mit 80 km/h fahren dürfen. Innerhalb geschlossener Ortschaften gilt gemäß § 3 der Straßenverkehrsordnung grundsätzlich eine Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h, sofern keine anderen Verkehrszeichen gelten. Auf normalen Straßen außerhalb geschlossener Ortschaften hängt die Höchstgeschwindigkeit unter anderem vom Gewicht des Fahrzeugs, davon, ob ein Anhänger gezogen wird, und von der Art der Straße ab. Dort gelten für unterschiedlich schwere Fahrzeuge Höchstgeschwindigkeiten von 60 bzw. 80 km/h. Verkehrszeichen, Wetter, Sichtverhältnisse und die jeweilige Verkehrssituation können zusätzlich eine niedrigere Geschwindigkeit erfordern. Die 80 km/h in diesem Artikel beziehen sich daher bewusst auf einen schweren Sattelschlepper auf einer deutschen Autobahn bei günstigen Bedingungen und ohne ausdrücklich ausgeschilderte Untergrenze.

Der deutsche Bußgeldkatalog enthält eigene, strengere Regelstrafen für diese Art von Schwerfahrzeugen. Für ein festgestelltes Vergehen von 16 bis 20 km/h außerhalb geschlossener Ortschaften sieht die aktuelle Anlage zur Bußgeldkatalogverordnung 140 Euro vor. Die offizielle Anlage 13 zur Fahrerlaubnisverordnung weist dieser Stufe zusätzlich einen Punkt im Fahrereignungsregister zu. Unser Beispiel von 100 statt 80 km/h bedeutet also im Regelfall 140 Euro und einen Punkt – aber noch kein reguläres Fahrverbot.

Diese Unterscheidung ist entscheidend für eine ehrliche Überschrift. Allein die Fahrt mit 100 km/h führt nicht automatisch zu einem einmonatigen Fahrverbot unter der angenommenen 80 km/h-Grenze. In der entsprechenden Tabelle für Verstöße außerhalb geschlossener Ortschaften beginnt das Regelfahrverbot für diese Fahrzeuggruppe erst bei einem Verstoß von 31 bis 40 km/h. Genau zu diesem Zeitpunkt erhöht sich das Bußgeld auf 255 Euro, verbunden mit zwei Punkten und einem einmonatigen Fahrverbot. Ein Fahrverbot ist nicht gleichbedeutend mit dem dauerhaften Entzug der Fahrerlaubnis, aber für jemanden, der seinen Lebensunterhalt am Steuer verdient, kann bereits ein Monat ohne Fahrerlaubnis schwerwiegende berufliche Folgen haben.

Die Gesamtskala für Verstöße außerhalb geschlossener Ortschaften zeigt, wie schnell die Strafe eskaliert. Bis zu 10 km/h Überschreitung fallen im Normalfall 30 € an, bei 11 bis 15 km/h 50 €. Bei einer Geschwindigkeitsübertretung von 16 bis 20 km/h beträgt die Strafe 140 €, bei 21 bis 25 km/h 150 € und bei 26 bis 30 km/h 175 €. Bei 31 bis 40 km/h steigen die Folgen auf 255 Euro und ein einmonatiges Fahrverbot, gefolgt von 480 Euro und einem Monat für 41 bis 50 km/h, 600 Euro und zwei Monaten für 51 bis 60 km/h und 700 Euro und einem dreimonatigen Fahrverbot für mehr als 60 km/h. Für die niedrigeren Stufen bis 15 km/h gilt zudem eine Sonderregelung: Dauert das Vergehen länger als fünf Minuten oder kommt es nach Fahrtantritt mehr als zweimal vor, sieht die Tabelle eine erhöhte Regelstrafe vor.

,Hierbei handelt es sich um Standardstrafen, die auf gewöhnlichen Umständen und allgemein fahrlässigen Verstößen beruhen. Vorsatz, Gefährdung, Sachbeschädigung oder andere gleichzeitig begangene Straftaten können die tatsächliche Beurteilung verändern. Fahrzeuge, die gefährliche Güter befördern, die einer besonderen Kennzeichnung bedürfen, und Busse, die Passagiere befördern, gehören ebenfalls zu einer separaten Kategorie mit teilweise deutlich höheren Beträgen. Die genannten Zahlen dürfen daher nicht unterschiedslos auf jedes schwere Fahrzeug und jede mögliche Verkehrssituation angewendet werden.

Dennoch bleibt unser Eskalationsvergleich auffällig. Mit 80 km/h ist der schwere Sattelschlepper unter den vorausgesetzten Bedingungen legal unterwegs. Bei 100 km/h sind es 20 km/h über der Grenze: 140 Euro, ein Punkt, aber noch kein reguläres Fahrverbot. Bei 110 km/h würde der Verstoß genau 30 km/h betragen, was 175 € und einen Punkt zur Folge hätte. Bereits ein zusätzlicher Kilometer pro Stunde würde die nächste Stufe erreichen: 111 bis 120 km/h entsprechen 31 bis 40 km/h über dem Grenzwert, was im Regelfall 255 Euro, zwei Punkte und ein einmonatiges Fahrverbot nach sich zieht.

Dabei handelt es sich jedoch um eine gesetzliche Berechnung und nicht um die Behauptung, dass gewöhnliche schwere Lkw solche Geschwindigkeiten beliebig erreichen können. Die aktuelle Richtlinie 92/6/EWG schreibt generell vor, dass Nutzfahrzeuge der europäischen Klassen N2 und N3 mit einem Geschwindigkeitsbegrenzer ausgestattet sein müssen, der so eingestellt ist, dass das Fahrzeug 90 km/h nicht überschreiten darf. Für bestimmte Fahrzeugnutzungen bestehen Ausnahmen. Auch die technische Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h ist in Deutschland keine 90-km/h-Fahrerlaubnis: Die Autobahn-Grenze für unseren schweren Sattelschlepper bleibt generell bei 80 km/h.

Noch überraschender wird der Vergleich, wenn man den Fahrtenschreiber betrachtet. Ein echtes Geschwindigkeitsvergehen muss nicht zwangsläufig allein durch einen stationären Blitzer bemerkt werden. Gemäß Artikel 4 der Verordnung (EU) Nr. 165/2014 zeichnen digitale Fahrtenschreiber unter anderem die zurückgelegte Strecke und die Geschwindigkeit des Fahrzeugs auf. Zuständige Strafverfolgungsbehörden dürfen auf die gespeicherten Daten zugreifen.

Die konsolidierte Richtlinie 2006/22/EG bezieht sich in ihrem Anhang zu Straßenkontrollen ausdrücklich auf Zeiträume von mehr als einer Minute, in denen ein Fahrzeug der Klasse N3 schneller als 90 km/h gefahren ist. Gegebenenfalls können auch die momentanen Geschwindigkeiten des Fahrzeugs untersucht werden, die höchstens in den letzten 24 Betriebsstunden aufgezeichnet wurden. Dies ist nicht dasselbe wie ein automatisches Bußgeld für jede kurze Zeit über 90 km/h. Die Daten können den Strafverfolgungsbehörden Anhaltspunkte liefern und Teil einer konkreten Kontrolle sein. Auch dem in der Fahrtenschreiberverordnung geregelten Fernerkennungssystem ist es ausdrücklich untersagt, unmittelbar automatische Bußgelder oder Strafen auszulösen. Dies kann zunächst dazu führen, dass entschieden wird, das Fahrzeug und seinen Fahrtenschreiber genauer zu untersuchen.

Hier grenzt ETS2 besonders deutlich von der Realität ab. In der stabilen Version 1.60 bestraft das Spiel weiterhin unter anderem Geschwindigkeitsüberschreitungen, Rotlichtverstöße, Falschfahrten, Kollisionen und fehlende Fahrzeugbeleuchtung mit direkten Geldabzügen. Dieses Bußgeldsystem kann über die Einstellung „Verkehrsdelikte“ insgesamt deaktiviert werden. Punkte, ein echtes Fahrverbot, ein echter Führerschein oder ein Arbeitgeber, der nach dem Vorfall unangenehme Fragen stellt, gibt es in diesem System nicht. Nach der Bezahlung können wir in der Regel sofort weiterfahren.

Das ist nicht automatisch ein Fehler der Simulation. SCS Software implementiert Verkehrsdelikte als Teil des Wirtschaftssystems des Spiels. Die Strafe soll Regeln spürbar machen und uns Geld kosten, ohne dass ein gesamter Spielstand oder eine laufende Sitzung nach einem einzigen Fehler unspielbar wird. Ein realistischer Zeitraum der Inaktivität von einem Monat würde entweder in wenigen Sekunden übersprungen werden oder uns einfach daran hindern, den eigentlichen Inhalt abzuspielen. ETS2 simuliert das Vergehen – nicht aber die beruflichen Konsequenzen dahinter.

Es gibt auch die physische Dimension. Mit 100 statt 80 km/h unterwegs zu sein bedeutet 25 Prozent mehr Geschwindigkeit. Bei gleicher Masse steigt die kinetische Energie mit dem Quadrat der Geschwindigkeit. Der Faktor ist also (100/80),
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=1,5625. Rein physikalisch trägt das Fahrzeug bei 100 km/h rund 56 Prozent mehr kinetische Energie als bei 80 km/h. Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass sich der reale Bremsweg automatisch um genau 56 Prozent verlängert. Reaktionszeit, Beladung, Bremssystem, Reifen, Straßenbelag, Gefälle, Wetter und andere Bedingungen beeinflussen den tatsächlichen Bremsweg. Dennoch zeigt die Berechnung, warum 20 km/h mehr mehr keine kleine Zahl auf dem Tacho eines schweren Lkw sind.

Ein Geschwindigkeitsverstoß im Spiel stellt keine wirkliche Gefahr dar. Auch nach einem virtuellen Unfall können wir eine Ersparnis aufladen oder die Reparaturen bezahlen. In der Realität bewegt der Fahrer eine beträchtliche Fahrzeugmasse durch den öffentlichen Verkehr. Ein Unfall kann Personen verletzen, Ladung und Fahrzeuge zerstören, Straßen blockieren und weitere rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Berufskraftfahrer können auch mit betrieblichen oder beschäftigungsbezogenen Problemen konfrontiert sein, insbesondere wenn sie durch ein Fahrverbot an der Ausübung ihrer Tätigkeit gehindert werden. Dies bedeutet zwar nicht automatisch eine Entlassung oder den Verlust der Fahrerlaubnis, doch die Folgen gehen weit über das Bußgeld selbst hinaus.

Auch für ETS2 wäre ein völlig realistisches System enorm kompliziert. Wir fahren durch zahlreiche europäische Länder mit unterschiedlichen Geschwindigkeitsbegrenzungen, Fahrzeugkategorien, Durchsetzungsverfahren, Bußgeldern, Punktesystemen und Fahrverboten. SCS müsste nicht nur alle nationalen Grenzwerte korrekt wiedergeben, sondern auch Sonderregeln in Bezug auf Fahrzeuggewicht, Anhänger, gefährliche Güter, Passagiere, Straßentypen, wiederholte Verstöße, Dauer und technische Ausrüstung berücksichtigen. Eine universelle Geldstrafe ist als Spielmechanik wesentlich einfacher zu handhaben als ein vollständiges europäisches Verkehrsrechtssystem.

Dennoch gibt es viel Spielraum zwischen dem heutigen Geldabzug und einem vollständigen Rechtssimulator. Rein hypothetische Optionen könnten eine niedrigere Fahrerbewertung, steigende Versicherungsprämien, ein sinkender Ruf des Unternehmens, weniger vertrauensvolle Kunden, strengere Kontrollen oder ein Eskalationssystem für Wiederholungstäter sein. Ein optionaler Hardcore-Modus könnte länderspezifische LKW-Limits, Fahrtenschreiberanalysen oder kurzfristige Fahrverbote beinhalten, während das normale Spiel unverändert und zugänglich bleibt. Keine dieser Funktionen wurde angekündigt.

Damit bleibt die eigentliche Designfrage offen. Reicht es, wenn der Blitzer einen Betrag von unserem Konto abbucht, oder sollten sich wiederholte und schwere Verstöße letztendlich negativ auf unsere virtuelle Karriere auswirken? Sollten Wiederholungstäter in ETS2 irgendwann mehr als ein bisschen virtuelles Geld verlieren – oder wäre ein Fahrverbot im Simulator einfach nur ärgerlich?

Halten Sie sich in ETS2 normalerweise strikt an die Geschwindigkeitsbegrenzungen oder fahren Sie manchmal schneller, wenn eine Lieferung verspätet ist? Wundert es Sie, dass eine Fahrt mit 100 statt 80 km/h bereits 140 € und einen Punkt bedeuten kann? Sollte ETS2 zwischen einem einzelnen Fehler und wiederholten Geschwindigkeitsüberschreitungen unterscheiden?

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