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39,8 Tonnen und immer noch illegal? Was ETS2 nicht über LKW-Gewichte simuliert!

  • Simulatoren-News
  • August 3, 2026 at 8:00 AM
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39,8 Tonnen Gesamtgewicht. Alles ist legal, oder? Nicht unbedingt. Hier beginnt der Unterschied zwischen einer Nummer im Jobmenü und einem auf realen deutschen Straßen kontrollierten Lastzug. Die gängige Rechnung „Unter 40 Tonnen ist erlaubt, über 40 Tonnen ist überladen“ ist einprägsam – aber unvollständig.

Gemäß § 34 der Straßenverkehrszulassungsordnung sind gleichzeitig das zulässige Gesamtgewicht und die zulässigen Achslasten zu beachten. Für Fahrzeuge mit Luftbereifung sieht die Regelung eine generelle Höchstlast von 10,00 Tonnen für eine Einzelachse und 11,50 Tonnen für eine angetriebene Einzelachse vor. Je nach Achsabstand und technischer Ausstattung dürfen Doppelachsen von Kraftfahrzeugen beispielsweise 16, 18 oder unter strengeren Auflagen 19 Tonnen befördern. Die gesetzlichen Angaben für Anhänger-Doppelachsen liegen je nach Abstand zwischen 11 und 20 Tonnen, während Dreifachachsen mit 21 oder 24 Tonnen angegeben sind. Der spezifische technische Grenzwert eines einzelnen Fahrzeugs kann noch niedriger liegen.

Für Fahrzeugkombinationen mit mehr als vier Achsen sieht der deutsche Gesetzgeber grundsätzlich ein zulässiges Gesamtgewicht von 40 Tonnen vor. Doch auch bei dieser berühmten Zahl gibt es Ausnahmen. Genau definierte Gelenkzüge, die im intermodalen Verkehr Container oder Wechselbehälter mit einer Länge von bis zu 45 Fuß befördern, können ein Gewicht von 42 oder 44 Tonnen erreichen. Unter den gesetzlichen Voraussetzungen dürfen alternativ angetriebene Kombinationen aufgrund der Antriebstechnik bis zu einer Tonne Mehrgewicht erhalten, emissionsfreie Kombinationen bis zu zwei Tonnen – unter Einhaltung der Achslastgrenzen. Die berühmten 40 Tonnen sind daher eher eine Schlagzeile als die vollständige Regel.

Stellen Sie sich für unsere virtuelle Reise einen schweren Maschinenblock vor. Die gesamte Kombination bleibt bei 39 Tonnen und kann daher unter dem Grenzwert ihrer Konfiguration liegen. Bei einer schlechten Positionierung des Blocks kann jedoch ein zu großer Teil der Last auf einer Achse oder Achsgruppe ruhen. Wenn Sie ihn weiter hinten platzieren, erhöht sich tendenziell die Belastung der Anhängerachsen. Weiter vorne wird mehr Gewicht über die Sattelkupplung auf die Zugmaschine übertragen. Die genaue Grenze hängt von Achszahl, Achsabstand, Fahrzeugdaten und Technik ab. Es wäre daher irreführend, diesem Gedankenexperiment erfundene Achsfiguren beizufügen. Der entscheidende Punkt geht ohne sie: Ein zulässiges Gesamtgewicht macht eine überlastete Achse noch nicht legal.

Es gibt noch eine weitere Verwirrung, die ETS2 sehr einfach macht. Das für einen Auftrag angezeigte Gewicht ist das Ladungsgewicht, nicht automatisch das Bruttogewicht der gesamten Kombination. Wenn in einem Auftrag „25 t“ steht, wiegt der gesamte Lkw nicht 25 Tonnen. Zu der Ladung sind die Leermassen der Zugmaschine und des Anhängers, Treibstoff, Betriebsflüssigkeiten, Geräte und sonstige mitgeführte Massen hinzuzurechnen. Erst zusammen ergeben sie das tatsächliche Fahrzeug- bzw. Gespanngewicht.

Die Spieldaten von SCS machen diese Unterscheidung deutlicher, als die Benutzeroberfläche vermuten lässt. Das mit Version 1.60 veröffentlichte Job Details Widget zeigt explizit die Art und das Gewicht der Ladung an. In der offiziellen Modding-Dokumentation werden die Massen für das Chassis und die Karosserie des Anhängers, die Achsanzahl, eine zulässige Gesamtgewichtsgrenze für den Anhänger und die Verteilung der Ladungsmasse innerhalb der Anhängerketten separat definiert. Länderdaten können das zulässige Gesamtgewicht des Fahrzeugs auch entsprechend der Gesamtzahl der Achsen begrenzen. Das ist zwar mehr als nur Zierde – eine Prüfung einzelner Achsen nach deutschem Recht ist es aber noch nicht.

Auch Liftachsen sind keine bloße Animation. SCS führte sie für Traktoren und Anhänger ein; Laut offizieller Beschreibung verändern sie Gewichtsverteilung und Manövrierfähigkeit und beeinflussen Entscheidungen über Kraftstoffverbrauch und Reifenverschleiß. Die technischen Daten des Spiels kennen Achsgewichte, Federwege, Kraftübertragung und Ladungsschwerpunktlagen. ETS2 berechnet daher Kräfte an den Achsen. Was das Spiel daraus nicht macht, ist ein durchgängiges Rechtssystem, das unsere spezifischen Vorderachsen, Antriebsachsgruppen und Anhängerachsgruppen mit den relevanten nationalen Grenzwerten vergleicht.

,Auch die Aussage „ETS2 hat keine Skalen“ wäre nun falsch. Solche Einrichtungen tauchen selektiv auf dem Weg zum Schwarzen Meer, in Österreich, der neugestalteten Schweiz, Teilen des Baltikums und an den Grenzen des Westbalkans auf. Abhängig von der Einrichtung kann es sein, dass wir zum Wiegen hinzugezogen werden und ein Bußgeld wegen Vorbeifahrens verhängt wird. Allerdings handelt es sich hierbei nicht um ein europaweites Prüfnetz mit deutscher Achslastüberwachung. Die Waage erstellt keine Lastverteilungsanalyse, wir können den Maschinenblock im Anhänger nicht nachträglich bewegen und eine ungünstige reale Achslast stoppt unsere Fahrt nicht. Grenzkontrollen oder Röntgenstationen können in einigen ETS2-Regionen die Ladung kontrollieren, es handelt sich dabei jedoch nicht automatisch um Gewichtskontrollen.

In Deutschland kann eine Prüfung deutlich konkreter werden. Das Bundesamt für Logistik und Mobilität darf Güterfahrzeuge anhalten und kontrollieren. Im 2025 gestarteten A4-Pilotprojekt werden auffällige Lkw durch vorgelagerte Achslastmessstellen vorselektiert, zu einem Kontrollplatz geleitet und anschließend rechtssicher verwogen. Bei festgestellter Überlastung kann die Weiterfahrt bis zur Behebung des Problems untersagt werden. Ein Klick auf „Weiter“ genügt nicht: Eventuell muss die Ladung umverteilt oder teilweise auf ein anderes Fahrzeug umgeladen werden.

Die aktuelle Bußgeldkatalog-Verordnung stuft die Bußgelder nach dem Prozentsatz der Überschreitung der zulässigen Achslast bzw. des zulässigen Gesamtgewichts ein. Für die Inbetriebnahme eines Kraftfahrzeugs über 7,5 Tonnen oder eines Kraftfahrzeugs mit Anhänger über zwei Tonnen betragen die Regelsätze 30 Euro für 2 bis 5 Prozent, 80 Euro für mehr als 5, 110 Euro für mehr als 10, 140 Euro für mehr als 15, 190 Euro für mehr als 20, 285 Euro für mehr als 25 und 380 Euro für mehr als 30 Prozent.

Noch interessanter für unseren ETS2-Firmenchef: Der Mensch am Steuer ist nicht die einzige relevante Partei. Im selben offiziellen Katalog sind gesonderte Richtsätze für die Bestellung bzw. Inbetriebnahme des Fahrzeugs aufgeführt: 35 € für 2 bis 5 Prozent, 140 € für mehr als 5, 235 € für mehr als 10, 285 € für mehr als 15, 380 € für mehr als 20 und 425 € für mehr als 25 Prozent. Rechtlich gesehen handelt es sich dabei um den Fahrzeughalter bzw. die verantwortliche Person – und nicht automatisch um einen beliebigen Mitarbeiter des Unternehmens. Der Vergleich passt immer noch erstaunlich gut: In ETS2 sind wir oft gleichzeitig Fahrer, Disponent und Speditionschef. Eine realistischere Simulation müsste daher nicht nur unser Fahrerkonto, sondern auch das virtuelle Unternehmen betreffen.

Es gibt auch eine physische Dimension. Überladung und schlechte Lastverteilung belasten Reifen, Achsen, Federung und Fahrwerk stärker, verändern das Fahrverhalten des Fahrzeugs und können die Leistungsreserven der Bremsanlage verringern. Die Größe des Effekts lässt sich nicht mit einer einfachen Formel wie „10 Prozent mehr Gewicht bedeuten 10 Prozent mehr Bremsweg“ beantworten. Das Fahrzeug, das Bremssystem, die Reifen, die Ladung, der Schwerpunkt, die Straßenoberfläche und das Wetter interagieren miteinander. Die Tatsache, dass Überladung die Verkehrssicherheit und die Infrastruktur beeinträchtigt, ist genau der Grund, warum BALM solche Fahrzeuge gezielt inspiziert.

Auch hier sind Schwergut- und Spezialtransporte von der normalen Überladung zu trennen. ETS2 macht sehr schwere Ladung bewusst zu erstrebenswerten Herausforderungen. Zu den Spezialtransportaufgaben gehören feste Routen, Begleitfahrzeuge, Verkehrsmanagement und strenge Anweisungen. Das ist nicht dasselbe wie eine gewöhnliche, falsch beladene Reise. Mit geeigneten Fahrzeugen, Achskombinationen, Genehmigungen, Routenplanung und Begleitung kann ein echter Schwertransport legal sein. „Schwer“ bedeutet nicht automatisch „überladen“.

,Es wäre faszinierend, wenn ETS2 diese vorhandenen Bausteine in ein optionales System umwandeln würde. Beim Beladen konnten wir nicht nur „Cargo Weight“ sehen, sondern auch eine Grafik für die Vorderachse, die Antriebsachse bzw. Achsgruppe, die Anhängerachsen und das Gesamtgewicht. Wir könnten den Maschinenblock leicht nach vorne oder hinten bewegen. Eine Schiffswaage könnte uns vor der Abfahrt warnen. Wer die Warnung ignoriert, riskiert ein Bußgeld, eine Betriebsstrafe, Umladung, erhöhten Verschleiß, eine Herabstufung der Kundenbewertung oder sogar die Kündigung des Vertrages bei einer stichprobenartigen Straßenkontrolle.

Hierbei handelt es sich ausdrücklich um ein Gedankenexperiment und nicht um eine angekündigte SCS-Funktion. Für Gelegenheitsspieler könnte sich ein solches System schnell wie Bürokratie anfühlen und nicht wie eine entspannte Fahrt nach der Arbeit. Als optionaler Hardcore-Modus könnte er jedoch endlich Anhängerauswahl, Liftachsen, Lade- und Wiegestationen in eine zusammenhängende Logistikaufgabe verwandeln. „25 Tonnen Maschinen transportieren“ würde zu einer echten Transportplanung werden. Soll ETS2 irgendwann einzelne Achslasten simulieren – oder will man nach der Beladung einfach losfahren, ohne sich auch noch mit der Gewichtsverteilung auseinanderzusetzen?

Sollte ETS2 gesetzlich die einzelnen Achslasten prüfen, oder reicht Ihnen das Gesamtgewicht aus? Würden Sie einen optionalen Hardcore-Modus für Beladungs- und Gewichtsprüfungen aktivieren? Sollten wir in der Lage sein, schwere Ladung im Anhänger selbst vorwärts oder rückwärts zu bewegen?

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